Neben dem Regisseur, Autoren und Produzenten Daniel Stieglitz ist dies auch die Abschlussarbeit der beiden Kasseler Mitstudenten Thomas Förster, der bei dem Film die Kamera übernommen hat (wie bei bisher allen Filmen von Daniel Stieglitz) und Riet Bernard, die für Kostüm und Szenenbild verantwortlich war.
Ursprünglich sollte der Film nur „Spielzeugland“ heißen. Nach Beendigung der Dreharbeiten meldete sich jedoch der Regisseur Jochen Alexander Freydank bei Daniel Stieglitz, dessen gleichnamiger Film Spielzeugland den Oscar in der Kategorie "bester Kurzfilm" gewann. Schließlich wurde der Titel in „Spielzeugland Endstation“ umbenannt.
Die Rückblenden in dem Waisenhaus wurden in der ehemaligen Kaserne in Krampnitz bei Potsdam gedreht, wo bereits Filme wie Duell - Enemy at the Gates von Jean-Jacques Annaud, Teile von Inglourious Basterds von Quentin Tarantino, Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler und Resident Evil' gedreht wurde.
Die Szenen in der Wohnung des Killers sowie der Wohnung des kleinen Mädchens wurden allesamt in einem Haus in Berlin-Neuköln gedreht. In dem selben Haus wohnte das Filmteam aus Kassel während der Drehzeit, ohne warmes Wasser oder Heizung im Winter 2007/2008. Die Traumsequenzen wurden in der Löwenburg (Kassel) gedreht, die für diesen Tag eigens geschlossen und aufwendig geschmückt wurde.
Für die Filmförderungsanstalt wurde eine 17-minütige Kurzfassung geschnitten, die jetzt ebenfalls auf nationalen und internationalen Festivals läuft.
Interview mit Erwin Leder
Was hat Sie an dem Drehbuch, insbesondere an der Figur des Killers
interessiert?
Was mich an allen diesen kaputten Figuren interessiert, diese morbide
menschliche Widersprüchlichkeit. Das sind keine glatten
Figuren, sie sind gespickt mit unglaublichen Facetten zwischen Liebe
und Hass, Gleichgültigkeit und Anteilnahme. Sie mussten durch
Härten gehen ohne darauf vorbereitet zu werden, sie wurden
stumpf und gnadenlos, wiewohl zugleich etwas tief in ihrem Inneren nach
Wärme und Geborgenheit bettelte. Die klassischen Dramen sind
voll von ihnen, heute trifft man sie in den Vorstädten. Sie
wurden vernachlässigt und später angeklagt, und doch
sind sie nur ein Spiegelbild ihrer Gesellschaft.
Ich entstamme einer Arztfamilie und verbrachte seit früher
Kindheit regelmäßig Zeit mit psychisch Kranken, was
daher nichts schreckhaftes für mich hat, daher habe ich auch
keine Scheu, verschrobene und anders merkwürdige Charaktere zu
spielen. Was mich persönlich mit dieser Figur verbindet liegt
auf einer anderen Ebene. Ohne einen übersteigerten Hang zur
Minutiosität ist diese Figur für mich nicht zu
begreifen. Mein Vater war nicht nur ein hervorragender Arzt, er war
insgesamt ein sehr genauer Mensch, und er war ein begnadeter
Handwerker. Er war einer von denen, die, wenn sie etwas montieren,
niemals vergessen, wo ihr Werkzeug liegt. Und ich habe mich dann in
jungen Jahren immer furchtbar geärgert, wenn ich einen
Schraubenzieher oder einen Bohrer nicht gleich gefunden habe. Hier ging
´s unter anderem um einen Mann, dessen Gedeih und Verderb von
seiner Geschicklichkeit abhing - in gewissem Sinne ist er mir hierin
nicht ganz unähnlich...
Intelligent, verschmitzt, sympathisch frech und sehr sehr aufmerksam,
das war der erste Eindruck, den Alessia auf mich machte, als wir sie zu
Hause in Berlin besuchten - und ein bleibender. Sie war und blieb
keinen Augenblick scheu, bemerkte und merkte sich jede Kleinigkeit.
Alessia ist fähig zu modulieren und ihre Stimme entsprechend
der Situation anzupassen, auch hat sie eine wunderschöne
Sprache, was mich sehr beeindruckte. Fast immer behütet von
Mamá, Anna oder Maren war sie zum Glück
einigermaßen fixiert auf Daniel, was die Arbeit ungemein
erleichterte. Daniel konnte mit ihr hervorragend umgehen und sie
motivieren, auch wenn ´s mal länger dauerte - das
Warten, aber auch das Drehen: dann konnte sie klarerweise schon mal
auch die Augen verdrehen mit dem Satz "aber nur noch einmal!" Daniel:
"ja, noch ein-mal." Alessia: "Ein-mal." Daniel "Ja. Noch ein-mal." Dann
war sie plötzlich aber stets ganz konzentriert, wie ein Profi,
und schaukelte das Ding. Und Daniel sagte gar oft danach "Alessia, das
war ganz wunderbar! Aber wir drehen ´s noch einmal." Und
Alessia "NOCH EINMAL??" Daniel "Ja. noch einmal." Alessia, "aber nur
EINmal." Daniel ,"Ja. Noch EINmal." Alessia, "EIN-mal?" Daniel, "Ja.
Ein-mal." Merkwürdiger Weise hat sie niemals eine einzige
Aufnahme wirklich verweigert - obwohl sie sicher oft auch schon
müde war; es war wie ein kokettes Spielchen zwischen den
beiden mit diesem gewissen Grinsen hinter dem Öhrchen. Sie
blieben sich beide nichts schuldig, Daniel seiner Genauigkeit und
Alessia ihrem Veto, beide waren unnachgibig, aber beide haben gewonnen.
Wie empfanden Sie, als erfahrener Profi, die Arbeit mit dem weitaus
unerfahrenerem Studentenensemble hinter der Kamera?
Hinter der Kamera nahm ich ja eher selten Platz, weil ich in nahezu
jedem Bild drin war. Das junge Team hinterließ auf mich einen
sehr verbrüderten, ich möchte fast sagen
eingeschworenen
Eindruck, alle waren höchst motiviert, auch wenn die Drehtage
regelmäßig über 12 Stunden dauerten. Die
jungen Damen
und Herren kompensierten den Personalmangel - as leider usual bei
Studentenproduktionen - nicht nur mit Sachkenntnis und Vorbereitung,
welche zuweilen nicht immer so gut klappen kann, sondern vor allem mit
einer inneren Reife und Freude. Es herrschte eine Form der menschlichen
Wärme, welche Vieles trotz fehlender Mittel erst
möglich
gemacht hat. Viele sprechen ja nach Dreharbeiten von "guter Stimmung"
am Set, hier war es eine Herzensgemeinschaft, möglicher Weise
auch
unterstützt vom inneren Gehalt der Geschichte des Films. Viele
Kollegen haben ja gerne ihren Spass während der Drehpausen,
ich
bin diesbezüglich prinzipiell sicher nicht abgeneigt, dennoch
liebe ich eine gewisse Stille und Ernsthaftigkeit - nicht nur der
Thematik wegen, immerhin ist Film eine sehr unltimative Sache. Wenn
Mittel fehlen, kann gefühlvoller Umgang miteinander leidige
Umstände mehr als wettmachen, er eröffnet und
mobilisiert
vielmehr noch Kräfte, welche trotz Erschöpfung in uns
ruhen.
Der Fisch beginnt bekanntlich am Kopf zu stinken - in diesem Falle
duftete er :)
Gibt es eine Situation während des Drehs, die die besonders in
Erinnerung geblieben ist?
Alles begann für mich in einem Hinterhof in Berlin, kleines
Räumchen. An zwei langen Tischen saßen eine handvoll
Leute
und versuchten endlos und mit gigantischer Freude am Handwerk und
breitem Grinsen über ´s ganze Gesicht dosische
Schlösser mit minutiösen Dittrichen zu
öffnen. Der Boss
dieses Vereins sah aus wie ein Kripobeamter, und er schaffte es
tatsächlich, mir in kurzer Zeit einige Tricks beizubringen,
mit
welchen ich Sicherheitsschlösser öffnen konnte.
Voraussetzung
dazu ist eine Menge Gefühl und vor allem Übung, wohl
der
Grund, warum ich heute das meiste davon wieder vergessen habe.